10.10.2007 Interview mit Wiltrud Stefanek, Vorsitzende der Selbsthilfe H.I.V.
Frau Stefanek, was hat Sie persönlich bewogen, den Vorsitz der Selbsthilfe H.I.V. zu übernehmen?
Ich habe im Oktober 1996 erfahren, dass ich HIV-positiv bin. Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich mit der Diagnose alleine. Da ich zu diesem Zeitpunkt verheiratet war, dachte ich nicht an HIV/AIDS. Leider verschwieg mir mein damaliger Mann seine Infektion. Die ersten Monate nach der Diagnose waren sehr hart. Mein Leben veränderte sich von Grund auf. Ca. 2 Jahre nach meiner Diagnose wollte ich mich aktiv in der Selbsthilfe einbinden. Aus diesem Grunde habe ich die Selbsthilfe H.I.V. (Hoffnung - Information - Vertrauen) gegründet. Für mich begann ein neuer Lebensabschnitt.
Was sind die wichtigsten Ziele der SHG H.I.V.?
Unsere Ziele sind: Ausbruch aus der sozialen und gesellschaftlichen Isolation - Akzeptanz durch die Gesellschaft - unsere Lebensqualität verändern / verbessern - offene und intensive Kommunikation - Motivation und Förderung des Selbsthilfegedanken - ...
Welche Aufgaben übernimmt die SHG H.I.V.?
Wir stehen allen Menschen für persönliche Gespräche zur Verfügung. Wir unterstützen Menschen mit HIV / AIDS und ihre Angehörigen auf ihrem Weg und stellen Kontakte zu Ärzten, anderen Organisationen, Gruppierungen, ... her. Uns ist es wichtig, dass sich alle über HIV informieren. Wir erarbeiten Informationsmaterial, leisten Aufklärungs- und Präventionsarbeit. Falsche oder keinerlei Informationen lösen bei unseren Mitmenschen Angst und Intoleranz aus.
Für wie wichtig halten Sie medizinische Informationen zu HIV für PatientInnen?
Medizinische Informationen sind sehr wichtig. Wir leben 24 Stunden täglich mit HIV und seinen Nebenwirkungen. Jeder Patient / jede Patientin sollte sich über seine / ihre Krankheit und Behandlungsmöglichkeiten informieren. Es ist sehr wichtig, dass wir gemeinsam mit unseren BehandlerInnen Lösungsansätze finden um auftretende Probleme / Nebenwirkungen zu beseitigen.
Wer sollte Ihrer Meinung nach diese Informationen - Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten betreffend - verfassen?
Menschen mit HIV / AIDS gemeinsam mit ihren BehandlerInnen. Es muss endlich ein offener Dialog und eine intensive Kooperation stattfinden. Denn nur dadurch können wir ALLE, PatientInnen und BehandlerInnen, profitieren. Es ist wichtig, dass der Medizin und deren Forschungsergebnissen unsere Lebenswelten gegenübergestellt werden. Dies ist nicht immer einfach, aber es nutzt niemandem wenn Forschungsergebnisse an unseren Lebensrealitäten vorbeigehen.
Sind persönliche Erfahrungsberichte von Betroffenen bzw. Angehörigen Ihrer Ansicht nach nützlich?
Ja, aus vielen Gründen. Mir haben die persönlichen Berichte anderer Betroffener sehr geholfen. Denn ich fühlte mich nicht so alleine und mir wurde klar, dass viele dieselben Probleme haben. Durch die einzelnen persönlichen Berichte bekommt AIDS für unsere Mitmenschen ein / viele Gesicht(er).
Wie wird Ihre SHG finanziert? Gibt es auch Förderungen von staatlicher Seite bzw. dem Gesundheitssystem?
Im Moment finanzieren wir uns aus privaten Spenden.
Vom Finanziellen abgesehen, gibt es Institutionen oder Vereinigungen, von denen Sie sich unterstützt fühlen?
In den vergangenen Jahren haben uns viele Menschen, Institutionen, ... unterstützt. Sie haben sich mit uns solidarisiert und uns in gewissen Situationen unterstützt bzw. bestärkt.
Was würden Sie jemandem, der eine Selbsthilfegruppe gründen möchte, empfehlen?
Ausdauer, Kraft und Energie. Am Anfang dachte ich oft ans aufhören, weil es einfach zermürbend war. Doch heute kann ich sagen, dass es sich gelohnt hat zu kämpfen.
Frau Stefanek, wenn Sie heute vor der Entscheidung stehen würden, den Vorsitz Ihrer Selbsthilfeorganisation zu übernehmen, würden Sie es wieder tun?
Ja, denn "Selbsthilfe" ist ein wichtiger Bestandteil der "Gesundheitsversorgung". Nur gemeinsam können wir etwas verändern und neue Wege gehen.
Herzlichen Dank für das Gespräch. Weitere Informationen zur Selbsthilfe H.I.V. finden Sie unter www.livetogether.q27.at und www.cboesterreich.q27.at
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Letzte Aktualisierung: 03.11.2007
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